Peru.

Mein Auslandsjahr in Peru!


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Der See des grauen Pumas · 24. - 26.1

Unterwegs auf dem Titicaca-See - Von den schwimmenden Inseln der Uros zu den Inseln Amantani und Taquile

Dieses Wochenende unternehmen wir Voluntarios nach langer Zeit endlich wieder einen gemeinsamen Gruppenausflug. Die ersten zweieinhalb Monate hier in Peru sind wie im Flug vergangen und für uns wird es deshalb einmal mehr Zeit zu reisen und dieses Land noch besser kennen zu lernen. Als Reiseziel haben wir uns für den Titicaca-See im Süden Perus entschieden, der für seine schwimmenden Schilfsiedlungen des Volkes der Uros und seine malerischen Inseln wie Amantani oder Taquile berühmt ist. Der Titicaca-See grenzt an Puno an, die sogenannte ′Folklore-Hauptstadt′ Perus, in der jährlich über hundert Feste und Tanzveranstaltungen stattfinden. Wir fahren also Freitagabends zu zwanzigst mit dem Bus von Cusco nach Puno los und können nach unserer zehnstündigen Fahrt schließlich den See unter der dichten Nebeldecke des frühen Morgens ausmachen. Spätestens jetzt packt uns die Vorfreude auf das, was uns erwartet. Schnell buchen wir vom Terminal aus eine Schiffstour über den See und zu den Inseln und entscheiden uns dazu, die Nacht nicht in einem Hostel in Puno, sondern auf der Insel Amantani bei einer einheimischen Familie zu verbringen.

Dann kann es endlich losgehen. Mit dem Colectivo fahren wir weiter durch die Innenstadt von Puno bis zum Hafen, wo wir unser Schiff betreten. Wir legen ab und vor uns liegt der weite, blaue See, der sich schier unendlich in die Ferne erstreckt – fast schon haben wir das Gefühl auf ein Meer hinauszufahren. Gleich zu Beginn erklärt uns unser peruanischer Guide Bruno, was es mit dem Namen ′Titicaca′ auf sich hat: ′titi′ bedeutet Puma auf Aymara, einer Sprache, die dem Quechua sehr ähnlich ist und im Raum Puno verbreitet ist, und ′caca′ bedeutet grau. ′Titicaca′ bedeutet also ′grauer Puma′. Wenn man sich Satellitenbilder von dem See ansieht, erinnert die Form des Sees tatsächlich an einen springenden Puma, der versucht einen Hasen einzufangen. Ob die Uferbewohner, die dem See seinen Namen gaben, dies bereits vor mehr als tausend Jahren wussten, bleibt natürlich fraglich - es ist eines der vielen Geheimnisse der frühen Kulturen Perus. Eine wahrscheinlichere Erklärung ist jedoch, dass Pumas aus den umliegenden Bergen den See als Wasserstelle benutzten und so der Name entstand.

Unser Schiff hat inzwischen die ersten Schilffelder, das sogenannte ′tortora′ - Schilf erreicht, zwischen denen die kleinen Wasservögel ihre Bahnen ziehen. Die Inseln der Uros, des Urvolkes des Titicaca-Sees, können nicht mehr weit sein. Der Nebel hat sich aufgelöst und gemeinsam mit den anderen gehe ich hinaus in den strahlenden Sonnenschein auf das Deck des Schiffes. Dann können wir sie schließlich sehen: Die schwimmenden Schilfsiedlungen der Menschen „zwischen Himmel und Erde“ (so beschreiben die Uros bis heute stolz ihr Leben). Überall verstreut liegen sie und sind miteinander durch breite Wasserkanäle verbunden. Die gelbbraunen Inseln liegen scheinbar mühelos auf der Wasseroberfläche auf und bieten Platz für Anlegestellen für Boote, Sitzkreise und ebenfalls aus dem ′tortora′-Schilf gefertigte Häuser. Als wir an der ersten Insel ankommen, erwarten uns bereits ihre Bewohner und begrüßen uns auf Aymara mit „Guten Tag/ Aymara!“. Sie führen uns sichtlich stolz herum und uns wird erklärt, wie die Inseln gefertigt werden. Es ist eine echte Meisterleistung, schließlich werden sie allein aus ′tortora′ von Grund auf mitten auf dem See aufgebaut. Zu Beginn werden Wurzelblöcke des Schilfs, die sogenannten ′kila′, als schwimmendes Fundament miteinander verbunden und festgezogen. Die Blöcke wachsen anschließend zusammen, sodass schichtweise frisches ′tortora′ aufgelegt werden kann. Dieses Aufschichten wird so lange wiederholt, bis die Insel eine Höhe von (….) Metern erreicht hat und die ersten Häuser darauf gebaut werden können. Als ich einen Mann anspreche, stellt er mir seine Familie vor und zeigt mir seine Schilfhütte. Natürlich leben die Nachfahren der Uros nicht mehr wie vor tausend Jahren nur von dem Schilf als Baustoff und Nahrung und von den Fischen und gefangenen Vögeln des Sees. Häufig fahren sie mit dem Boot aufs Festland, um Nahrungsmittel oder andere Dinge einzukaufen und die meisten von ihnen haben Strom in ihren Hütten, durch installierte Solarzellen auf den Inseln. Außerdem zieht es viele von ihnen, vor allem die jungen Menschen, in die Nähe der Städte, sodass sie in Siedlungen auf dem Land wohnen und nur tagsüber ihre Zeit auf den Inseln verbringen. Auch jetzt noch, Mitte Oktober, also zur Nebensaison, sind die Inseln voll von Touristen, was dem Ganzen natürlich etwas seinen Zauber nimmt. Nichtsdestotrotz verlassen wir die Nachfahren der Uros beeindruckt und setzten unseren Weg fort in Richtung der Insel Amantani.

Auf der Insel angekommen sind wir alle sind zu Gast bei einheimischen Familien, die uns freundlich begrüßen und sich uns vorstellen. Die Familienmitglieder von Marlon, Stefanie, Isabella, Laura und mir, heißen Silvia und Nestor und ihre kleine Tochter Celia. Bevor wir alle gemeinsam auf den Berg der Insel wandern, um den Sonnenuntergang über dem Wasser zu sehen, führen die drei uns ein wenig über das paradiesische Amantani. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit der Insel tut uns allen sehr gut und so können wir den Tag etwas später auf der Spitze des Berges ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von unserer Familie und der idyllischen Insel Amantani und stechen wieder in See. Vielleicht werden wir hierhin am Ende unserer Reise in Peru zurückkehren. Bevor wir unsere Tour beenden, besichtigen wir noch die Insel Taquile, die für ihre ′strickenden Männer′ bekannt ist – auch wenn diese heute einmal ausnahmsweise nichts zu tun scheinen. Einige von uns nehmen noch ein Bad im See (ich bin leider zu krank dafür) und dann geht es wieder zurück nach Puno und es heißt nach Hause zu fahren.

Glücklich geht es für uns wieder von Puno nach Cusco und Urubamba und wir nehmen die Erinnerung an den See des grauen Pumas mit.

Drei Worte auf Quechua: ′′ bedeutet …., ′′ bedeutet …., ′′ bedeutet ….


Ché Guevara und die Grenzen des Idealismus · 6.10.2014

Ché Guevara als „Guerillero Heroico“ von Alberto Korda (1960 Havanna)

Wer war Ché Guevara?

Die Frage nach dem ehemaligen Guerilla-Kämpfer und Revolutionsführer der Kubanischen Revolution hat in Südamerika und in anderen Teilen der Welt bis heute nicht an Aktualität verloren. Seine Person, seine Ziele, sowie sein Handeln werden sehr unterschiedlich aufgefasst. Zum einen existiert eine grenzenlose Verehrung und ein Heldenkult, zum anderen aber auch eine vollkommene Verachtung und Ablehnung Guevaras als Fanatiker und Mörder. Gerade diese Problematik verleiht dem Thema immer wieder aufs Neue seine Bedeutung. In diesem Artikel möchte ich versuchen, die verschiedenen Facetten Guevaras, seine Visionen und Ideale, sowie die Bedeutung die ihm und seinen Ideen heute noch zukommt, darzustellen.

Der Beginn einer Revolution

Am zweiten Dezember 1956 erreicht Ernesto Rafael Guevara de la Serna, aufgrund seiner argentinischen Herkunft El Ché genannt, zusammen mit zweiundachtzig Rebellen auf der Motoryacht Granma die Küste Kubas. Angeführt werden die Rebellen von dem ehemaligen Rechtsanwalt und Politiker Fidel Castro, dessen erklärtes Ziel es ist, den Diktator von Kuba, Fulgencio Batista, zu stürzen. Bereits 1953 hatte Castro zusammen mit einigen politischen Anhägern, den sogenannten Moncadisten, einen bewaffneten Angriff auf die Moncada-Kaserne durchgeführt, um dadurch ein Signal für einen Volksaufstand gegen das Regime des Diktators zu geben. Der Aufstand blieb jedoch erfolglos; die Moncadisten wurden geschlagen und Castro verhaftet. Dieser zweite Dezember stellt nun also die nächste große Chance dar, die Herrschaft Batistas zu beenden und eine selbstgeführte Revolutionsregierung an die Spitze Kubas zu stellen.

Die Landung der Rebellen an der Küste Kubas


Der Arzt Guevara, der ursprünglich aus Rosario in Argentinien stammt, hat Castro in Mexiko kennen gelernt und teilt dessen Ideen von einem Sturz des durch die USA gestützten Regierungssystems in Kuba und einer Umgestaltung der politischen und vor allem wirtschaftlichen Verhältnisse. Der einzige Unterschied ihrer Ansichten liegt darin, dass Guevara eine Revolution nicht auf Kuba begrenzt sieht – er will sie stattdessen auf den gesamten südamerikanischen Kontinent ausweiten, später sogar auf die gesamte Welt.

Schon zu diesem Zeitpunkt ist Guevara ein grenzenloser Idealist. Auf seinen Reisen durch Lateinamerika hat er die schlechten Lebensverhältnisse des Großteiles der Menschen aufgrund von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Ungerechtigkeit kennen gelernt und ist mit den liberalen und marxistischen Ideen in Berührung gekommen. Dabei ist ihm der Einfluss großer amerikanischer Unternehmen auf die Wirtschaft vieler südamerikanischer Länder und die schlechten Arbeitsverhältnisse der Arbeiter auf den Plantagen oder in den Minen bewusst geworden und er ist in seinem Reisetagebuch zu der Erkenntnis gekommen:

„Das Wissen macht uns verantwortlich.“

Guevara als 22-Jähriger in Buenos Aires


Darüber hinaus hat er den durch die USA unterstützten Militärputsch in Guatemala gegen die demokratisch gewählte Arbenz-Regierung miterlebt und im Zuge dessen das kapitalistisch geprägte Amerika als das Sinnbild des Imperialismus verstanden. Guevara sucht nach einem vollkommen anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell, dass ein unabhängiges und nach seiner Auffassung gerechteres Latein- und Mittelamerika verwirklichen kann. Den Anfang dieser vollkommenen Umgestaltung der Verhältnisse, einer Revolution, sieht Guevara in der militärischen Expedition Castros und seiner Bewegung des 26. Juli, die aus dem Moncada-Angriff vom 26. Juli 1953 hervorgegangen ist.

Die Rebellen unter der Führung Castros 1958 in einem geheimen Stützpunkt


Nach der Ãœberfahrt von dem mexikanischen Tuxpan zu dem Playa los Coloradas an der Südwestküste Kubas, gerät die Rebellengruppe direkt in ein Gefecht mit den Regierungstruppen von Batista, die ihnen zahlenmäßig weit überlegen sind. Die Mehrzahl der Rebellen stirbt oder wird verhaftet. Unter den Ãœberlebenden befinden sich Fidel und dessen Bruder Rául Castro sowie Ché Guevara, die mit den verbliebenen Rebellen in das Hinterland Kubas flüchten. In der Sierra Maestra schlagen sie ihr Lager auf, von dem aus sie ihren Kampf gegen das Batista-Regime organisieren. Ihre Strategie basiert auf den Taktiken des Guerilla-Kampfes, eines „Kleinkrieges“ aus dem Hinterhalt und von mehreren Fronten aus. Die Rebellenarmee erhält die Unterstützung eines Großteils der Landbevölkerung und wird fast täglich mit Proviant und geschmuggelter Munition und Waffen aus den Städten versorgt. Außerdem stoßen immer wieder neue Soldaten hinzu, sodass die Gruppe weiter wächst. Guevaras ursprüngliche Rolle als Expeditionsarzt wandelt sich während des Krieges schnell zu der eines führenden Mitkämpfers, sodass er schließlich zum ersten Comandante unter Fidel Castro ernannt wird.

Der Einzug der Rebellen in Havanna 1959


Ãœber einen Zeitraum von zwei Jahren führt die Rebellenarmee einen Kampf gegen die Regierungstruppen und verfolgt dabei eine Zwei-Fronten Strategie; zum einen aus den Städten und zum anderen aus dem Hinterland Kubas. Die Erfolge der Rebellen nehmen im gleichen Maße zu, wie die Moral der Soldaten Batistas abnimmt. Der große Rückhalt der Guerilleros in der Bevölkerung sowie die anhaltenden Kämpfe vieler Untergrundgruppen in den Städten sind dabei entscheidend. Unter der Führung von Guevara und Comandante Camilo Cienfuegos gelingt am 29.Dezember 1958 schließlich der entscheidende Sieg: Die Eroberung von Santa Clara und die kurz danach folgende Flucht Fulgencio Batistas am 1. Januar 1959. Am selben Abend verkündet Fidel Castro den Sieg der Revolution und die Rebellen der Bewegung des 26. Juni ziehen am 8.Januar in Havanna, der Hauptstadt Kubas, ein. Die neu gegründete Revolutionsregierung mit Castro als Staatschef tritt in Kraft.

Die Grenzen des Idealismus: Kongo und Bolivien

Nach der Vertreibung Batistas und der Ãœbernahme der Macht in Kuba durch die Rebellenarmee, befand sich Ché Guevara auf dem Höhepunkt seiner politischen Bedeutung. Er wurde zum Leiter der Nationalbank und zum Industrieminister erklärt und ihm unterstand als Kommandant die Militärfestung La Cabana. Als einer seiner ersten Maßnahmen als Industrieminister ordnete er die Verstaatlichung der kubanischen und US-amerikanischen Unternehmen an und setzte sich für eine vollständige Umgestaltung der kubanischen Wirtschaft nach den Vorgaben der Planwirtschaft ein. An vorderster Stelle seines Handelns standen dabei seine Ideale des Sozialismus und des von ihm geforderten „Neuen Menschen“, eines Menschen in der sozialistischen Gesellschaft, der sich selbstlos für die Gemeinschaft einsetzt und nicht an dem materiellen, sondern am geistigen Fortschritt interessiert ist. Guevara selbst versuchte diese Ideale durch freiwillige Arbeitseinsätze und den Verzicht auf Vorteile als Revolutionsführer vorzuleben und zu verwirklichen.

Fidel Castro und Ché Guevara in den 1960er Jahren


Der grenzenlose Idealismus und die Forderung Guevaras nach einer Neugestaltung der kubanischen Wirtschaft und Industrie nach dem Vorbild des Sozialismus, stießen schon bald an die Grenzen des Pragmatismus. Durch die Verstaatlichung von US-Unternehmen und die Enteignung von Vermögenswerten kam es zu großen politischen Spannungen zwischen dem Nachrevolutionären Kuba und den USA. Als Folge dessen wurden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern abgebrochen und die Vereinigten Staaten fielen damit als wichtigster Zuckerimporteur und Kreditgeber Kubas weg. Darüber hatte die kubanische Wirtschaft mit großen Problemen zu kämpfen und es kam zu Versorgungsengpässen. Als Folge seiner problematischen Industriepolitik wurden ihm von Kritikern fehlende Kenntnisse vorgeworfen. Circa 10 Prozent der gesamten kubanischen Bevölkerung wanderte in die USA aus, darunter der Großteil der kubanischen Oberschicht. Auch die zunehmende Orientierung und Ausrichtung der Politik und Wirtschaft Kubas an dem Beispiel der Sowjetunion, die von dem Regierungschef Fidel Castro vorangetrieben wurde, stimmten schließlich nicht mehr mit den Idealen Guevaras überein. Er kritisierte die Nähe zur Sowjetunion, die Kuba seit 1960 finanziell unterstützte, als eine Abhängigkeitssituation und strebte eine Rückkehr zu den ursprünglichen Zielen der kubanischen Revolution an. Während eines Besuches auf einer Wirtschaftskonferenz in Algier in Algerien 1965 formulierte Guevara sehr radikale Äußerungen auch in Hinsicht auf die Beziehung Kubas zu der Sowjetunion, was zu erheblichen Spannungen zwischen Castro und ihm führte.

Guevara bei einer Strategiebesprechung mit den kongolesischen Rebellen 1965


Als Konsequenz trat Guevara nach seiner Rückkehr von all seinen Ämtern zurück und reiste 1965 mit einer Gruppe von ehemaligen Rebellen nach Afrika in den Kongo aus. Diese einschneidende Entscheidung, die lange geheim gehalten wurde, wird heutzutage einerseits für einen Dienst an Kuba nach seinen radikalen und problematischen Äußerungen gehalten. Zum anderen wird seine Ausreise aber auch als Versuch eines „Exportes der Revolution“ gedeutet. Guevara wählte den Kongo für seine Unternehmung aus, da sich das Land zu diesem Zeitpunkt in einem großen Umbruch und militärischen Konflikt zwischen verschiedenen Parteien befand und ihm eine Revolution hier möglich erschien.

Der Revolutionsversuch im Kongo scheiterte kläglich. Die Rebellen trafen auf schlecht ausgebildete und nicht organisierte Soldaten, die die Guerilla-Taktik der Revolutionskämpfer nicht umsetzen konnten. Erbeutete Waffen und Gelder wurden von den Soldaten veruntreut und die Truppen waren abergläubisch. Guevara hielt die aus seiner Perspektive aussichtslose Situation später enttäuscht in seinem Reisetagebuch „Das Jahr, in dem wir nirgendwo waren“ fest.

Das „Nationale Befreiungsheer“ im Hochland von Bolivien


Zurück in Kuba startete Guevara jedoch unbeirrt von seinem Scheitern im Kongo einen nächsten Versuch, die kubanische Revolution auch in andere Länder Lateinamerikas zu tragen. Sein Ziel: Bolivien. Dieser Versuch sollte sein letzter sein. 1966 erreichte unter dem Decknamen ′Adolfo Mena González′ La Paz und führte als Oberbefehlshaber zusammen eine Truppe von ungefähr fünfzig Rebellen unter dem Namen „Nationales Befreiungsheer“ in das Hochland von Camiri. Doch auch in Bolivien verlief alles anders als während der kubanischen Revolution. Die Unterstützung der indigene Landbevölkerung sowie der kommunistischen Partei Boliviens blieb aus und die Rebellen trafen auf heftigen Widerstand der Regierungstruppen. Nach einem Gefecht mit den Soldaten des bolivianischen Präsidenten Ortuño wurde die Gruppe schließlich getrennt, sodass Guevara letztendlich nur noch eine Truppe von siebzehn Soldaten zur Verfügung stand. Am 8. Oktober 1967 gerieten die Guerilla-Kämpfer in Vallegrande in einen Hinterhalt der bolivianischen Armee und Guevara wurde verwundet und verhaftet. In La Higuera, wo er gefangen gehalten wurde, ging am nächsten Tag gegen Mittag per Telefon der Befehl ein, den Rebellen und Staatsfeind Ernesto Rafael Guevara de la Serna aufgrund von Verbrechen gegen den bolivianischen Staat und der Organisation des Guerilla-Kampfes im Hochland von Bolivien hinzurichten. Um 13:10 stirbt Guevara unter den Schüssen des Feldwebels Mario Terán.

Nach seiner Verhaftung in La Higuera (8.10.1967)


Aufbahrung des Leichnams Guevaras vor Journalisten im Krankenhaus von Vallegrande


Die zwei Gesichter des Ernesto Guevara

Keine historische Person wird so unterschiedlich bewertet wie Ché Guevara. Er polarisiert. Während er einerseits als Freiheitskämpfer und Idealtyp des Menschen des 20.ten Jahrhunderts angesehen wird, bezeichnen ihn die anderen als Fanatiker und rücksichtslosen Mörder. Tatsächlich hatte Guevara zwei Gesichter und seine Persönlichkeit und Ansichten waren teilweise sehr widersprüchlich.

Ikone der Freiheit und des Ideals

Im Gespräch mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre 1960


„Ein wahrer Revolutionär wird von großen Gefühlen der Liebe geleitet. Von Gefühlen der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit und der Wahrheit.“ Guevara 1964 in einem Interview mit ABC Issues and Answers

Auf seinen Reisen durch Lateinamerika erlebte der junge Student Ernesto Guevara die wirtschaftliche Ungleichheit und die soziale Ungerechtigkeit in Ländern wie Argentinien, Chile, Peru und Bolivien. In Peru arbeitete er unter anderem als Arzt in einer Lepra-Kolonie und beschäftigte sich mit dem Schicksal der Menschen. Das Elend und die Armut der Bevölkerung ließ in ihm die Idee beziehungsweise den Entschluss reifen, die bestehenden Verhältnisse grundlegend zu verändern. Den Weg dorthin, stellten seine Ideale dar, die er schlussendlich bis zu seiner Selbstaufopferung vorlebte und umzusetzen versuchte. Die Figur Guevara gilt als Vorbild der lateinamerikanischen Linken und wird in Kuba und anderen Ländern noch heute durch Nationalfeiertage verehrt. Der Mythos „El Ché“, vom unbeugsamen und freiheitsliebenden Rebellen, lebt bis heute durch Lieder wie „!Hasta Siempre – Comandante Ché Guevara“ oder die Bildikone „Guerrillero Heroico“ fort.

Fanatiker und Mörder

Guevara während der Kubanischen Revolution


„Der Hass als Faktor des Kampfes, der unbeugsame Hass dem Feind gegenüber, der den Menschen über seine physischen Grenzen hinaus antreibt und ihn in eine wirksame, gewaltsame, selektive und kalte Tötungsmaschine verwandelt. Unsere Soldaten müssen so sein; ein Volk ohne Hass kann über einen brutalen Feind nicht siegen.“ - Ernesto Guevara in seiner 1967 veröffentlichten Schrift „Mensaje aI Tricontinental“

Die andere Seite seiner Persönlichkeit zeigt sich immer wieder während seiner Zeit als Revolutionsführer und späterer Oberbefehlshaber der Militärfestung „La Cabaña“ in Havanna. Aus dem Arzt Guevara wurde ein entschlossener Kämpfer, der Deserteure der Rebellenarmee gnadenlos bestrafen ließ und teilweise sogar selbst hinrichtete. Dabei stellte er seine Ideale und seinen Wunsch nach Gerechtigkeit über Menschenleben und war in seiner Ãœberzeugung, die USA stelle ein Feindbild und das Sinnbild des Imperialismus dar, gefestigt. Während seiner Zeit als Comandante von La Cabaña leitete er revolutionäre Tribunale gegen sogenannte „Gegner der Revolution“ und ließ Folterungen und Erschießungskommandos durchführen. Darüber hinaus wurden unter seinem Oberbefehl Internierungslager für politische Gegner, zu denen auch Homosexuelle gezählt wurden, errichtet. Er durchlief zunehmend eine Radikalisierung, die ihren Höhepunkt in den Aussagen seiner Rede von Algier oder seiner Schrift „Mensaje a Tricontinental“ an die OSPAAAL* fand. Während der Kubakrise forderte er den Abschuss der auf Kuba stationierten Atomraketen auf die USA. So vertrat er nicht allein eine Liebe zur Freiheit, sondern auch die berühmte Forderung „zwei, drei, viele Vietnams“ zu schaffen und sich im Kampf gegen den Feind von „unbeugsamen Hass“ antreiben zu lassen. Gerade diese letzten Aussagen sollten später politisch motivierte Terrorgruppen wie die RAF inspirieren. Zurück bleibt ein Bild eines Verehrers Stalins und eines Fanatikers, dessen Idealismus keine Grenzen akzeptieren wollte.

Abschließend lässt sich festhalten: In der Person, den Zielen und dem Handeln Ché Guevaras lassen sich beide Sichtweisen wiederfinden. Bei der Bewertung seiner Person stellt sich nur die Frage, welche Sichtweise deutlicher herausgearbeitet wird. Auf welche Weise auch, Ernesto Rafael Guevara de la Serna ist weiterhin im Denken vieler Menschen präsent.

*OSPAAAL (Organización de Solidaridad de los Pueblos de África, Asia y América Latina)


Geburtstag mit Cuyis · 17.10.2014



- Musik für die richtige Stimmung: „Hope“ von Jack Johnson

Der 17. Oktober 2014 ist gekommen! Mein 19.ter Geburtstag in Peru ist etwas ganz Besonderes, denn zum ersten Mal verbringe ich ihn nicht Zuhause mit meiner Familie, sondern weit entfernt, zusammen mit meinen neuen Freunden und den Kindern von Munaychay.

Der Morgen beginnt glänzend: Die anderen Voluntarios kommen ′Cumpleaños Feliz′- singend in mein Zimmer und bringen mir Frühstück ans Bett, während die Sonne den Chicon langsam zum Strahlen bringt. Gemütlich schlurfe ich rüber ins Wohnzimmer, wo der Tisch schon mit den köstlichsten Kuchen und frisch gepresstem Orangensaft gedeckt ist. Doch bevor ich mich diesen Genüssen zuwenden kann, wird mir ein Holzscheit aus unserem Kamin gereicht und die Augen verbunden. Es heißt Piñata schlagen! Das Zerschlagen der Papp-Süßigkeitenbeutel ist in Peru nämlich genauso beliebt(,) wie in Mexiko oder Amerika. Nach einem präzisen Schlag ist der ganze Boden mit Bonbons und Keksen bedeckt und wir frühstücken gemütlich. Während die anderen sich für die Arbeit fertig machen, bleibe ich noch eine Weile am Tisch sitzen und genieße es(,) Geburtstag zu haben. Ein wenig später fahre ich mit dem Bus runter nach Urubamba, um in einem Café mit meiner Familie zu skypen. Meine Oma ist extra aus Italien gekommen und verbringt den Tag bei uns Zuhause – die vier stoßen auf mich an und feiern meinen Geburtstag(,) auch wenn ich nicht bei ihnen sein kann. Ich freue mich riesig sie zu sehen und natürlich vermisse ich sie heute besonders. Aber Peru wäre nicht Peru, wenn ich das Heimweh nicht schnell wieder vergessen würde. Als ich abends wieder in Munaychay bin, haben die Kinder aus meiner Casa eine richtige Geburtstagsfeier vorbereitet und mir Blumen gepflückt, Briefe geschrieben und kleine Geschenke gebastelt. Als krönenden Abschluss kriege ich noch unter dem Lachen des ganzen Hauses ein rohes Ei mit Salz auf dem Kopf zerschlagen.

Für das Abendessen wartet noch eine letzte große Ãœberraschung auf mich. Denn meine Tía hat zwei Cuyis, zwei peruanische Meerschweinchen, für uns zubereitet. Was man bei uns Zuhause sonst nur im Gartenstall zu sehen bekommt, landet hier in Peru auf dem Teller und ist eine echte Delikatesse. An die Stelle von „Süß!“ tritt hier „Lecker!“ und das zu Recht. Und so geht im Freiwilligenhaus ein fantastischer 17.ter Oktober zu Ende und ich bin einfach nur glücklich.

Wenn ich so überlege, kann ich mir keinen besseren Ort für die Feier meines 19.ten Geburtstages vorstellen, als hier in Peru.



Drei Worte auf Quechua:

′′ bedeutet ; ′′ bedeutet ; ′′ bedeutet


Ein Chicha, Zwei Freunde · 14.10.2014

An einem Dienstagvormittag mache ich mich nach meiner Arbeit in der Grundschule von Chichubamba wie gewohnt auf den Rückweg nach Urubamba und laufe auf den staubigen Wegen des Dorfes, vorbei an den alten, teilweise verfallenen Lehmziegelhütten der Bauernfamilien, die hier zum Großteil leben und ihre Felder bewirtschaften. Die Sonne scheint grell und einige Straßenhunde liegen schlafend im Schatten der Hütten, aus denen die schrille Musik der Radios zu mir herüberschwappt. Die Menschen grüßen kurz aber freundlich; wer gerade nicht arbeiten muss verbringt die Mittagszeit bei seiner Familie oder in einer der vielen Chicherias, die es hier an jeder Ecke gibt.

Als ich um eine Häuserecke biege, sehe ich auf einmal eine alte Frau vor mir, die wie die meisten Indígena-Frauen ihr weißes, kurzes Haar mit schwarzen Stoffbändern zu Zöpfen geflochten hat und einen weißen Hut und Rock trägt. Sie scheint gerade vom Markt zu kommen, denn sie trägt einen mit Heu gefüllten Beutel, unter dem sie schwer gebeugt läuft. Sie muss schon um die achtzig oder neunzig Jahre alt sein; ihr Gesicht und ihre blass-blauen Augen verraten ihr hohes Alter. Als ich an ihr vorbeilaufe, frage ich sie, ob ich ihr vielleicht helfen kann. „Si papacito, por favor. Mi casa esta en esta esquina, muy cerca de aqui“, sagt sie leise, mehr zu sich selbst als zu mir, und dabei schaut sie kurz vorsichtig zu mir hoch. In ihrem Gesicht liegt eine tiefe Freundlichkeit aber auch eine gewisse Unsicherheit. Ich entdecke den Eingang zu einem kleinen Hof am Ende der Straße und nehme ihr Bündel in die Hand. So laufen wir beide in Richtung des Hofes los, ich versuche ein kleines Gespräch anzufangen und sie tippelt langsam neben mir her. Ihr Name ist Margarita. Als wir schließlich am Hof ankommen und eintreten, bedankt sie sich mit einem schüchternen Lächeln und besteht darauf, ihr Bündel die letzten Meter wieder selbst zu tragen. Freundlich verabschiedet sich Margarita von mir und verschwindet wieder so plötzlich, wie sie mir begegnet ist.

Als ich mich einen Moment umschaue, bemerke ich, dass ich mich in einer Chicheria, einer Tienda in der Chicha ausgeschenkt wird, befinde. Chicha ist vergorener Maissaft, also eine Art Maisbier, den vor allem die Indígenas mit Vorliebe trinken. In einer Ecke sitzen zwei ältere Männer vor ihren großen Chicha-Gläsern und schauen in einer Mischung aus Freundlichkeit und Belustigung zu mir herüber. „¡Hola Mister! Qiere tomar un Chicha con nosotros? ¡Vamos a invitarse!“ (- Hola Mister! Wollen Sie einen Chicha mit uns trinken? Wir laden sie ein!). Im ersten Moment bin ich natürlich etwas zurückhaltend, aber eine freundliche Einladung lehnt man in Peru nicht ab. Freundlich stelle ich mich ihnen vor; sie freuen sich, dass ich Spanisch verstehe. Ich bekomme ein randvolles Glas mit dem gelben Maissaft vor mir auf den Tisch gestellt und unser Gespräch beginnt.

Eusebio und Juan, so heißen die beiden Männer, wohnen schon seit langer Zeit in Chichubamba und leben beide von der Landwirtschaft. Eusebio hat Agrarwissenschaften an der Universität in Cusco studiert, aber das ist lange her. Er baut jetzt, wie Juan, Obst und Gemüse an und kann, wie er sagt, “einigermaßen gut davon leben“. Wir unterhalten uns sehr viel über die derzeitige Situation des Landes und der Region, in der sie leben und kommen schnell auf Themen wie das mangelnde Angebot an Arbeit und die große Korruption in der Politik und der Wirtschaft. „Auch jetzt“, so meint Juan, „hat sich nichts verändert – die Politiker stecken sich immer noch unser Geld in ihre eigenen Taschen. Damit bewegt sich in dieser Region, diesem Land überhaupt nichts!“ Er meint damit die Regionalwahlen in Urubamba, die erst vor kurzem stattgefunden haben und aus denen die Partei ′Tierra y Libertad′ als neue Regierungspartei hervorgegangen ist. (- direkt nach den Wahlen fanden übrigens Protestaktionen gegen die Partei statt.) Als ich sie frage, was sich verändern müsste, damit die Situation eine bessere sei, antwortet mir Eusebio knapp: „Wir bräuchten Politiker mit Moral.“

Schließlich meint Juan mit einem Lächeln: „Wie sieht es bei Dir aus, Freund? Was verschlägt Dich nach Chichubamba?“ Als ich den beiden von meiner Arbeit hier im Projekt mit den Kindern von Munaychay, Chicon und Chichubamba erzähle, nicken die beiden zuerst anerkennend und beginnen dann zu lächeln. Ich gebe mir die größte Mühe sie zu überzeugen, dass ich nicht der unwissende Gringo bin, der sich nicht wirklich für Peru und das Leben seiner Menschen interessiert und ihnen jeden Tag auf der Straße über den Weg läuft. Und dann passiert etwas Besonderes: Als ich sie darauf anspreche, schauen sich die beiden an und Eusebio reicht mir freundschaftlich seine Hand und sagt:

„Todos somos Peruanos, mi amigo!“ (- Wir alle sind Peruaner, mein Freund!)

Und von diesem Moment an sind wir Freunde – in den Augen von Eusebio und Juan bin ich jetzt ein „………..“ (Quechua-Wort), ein guter Junge. Die beiden laden mich für das nächste Mal zu sich nach Hause zum Essen ein.

Was in Deutschland sonst eher undenkbar wäre, wird in Peru mit viel Offenheit und Freundlichkeit möglich. Aus zwei Fremden sind durch ein Glas Chicha und ein langes Gespräch Freunde geworden. Mir bedeutet dieses Treffen viel, weil ich zum ersten Mal die Möglichkeit hatte, mich mit zwei Einheimischen zu unterhalten und mich mit ihnen über meine Eindrücke von diesem Land auszutauschen.

Wir reden und lachen noch eine ganze Weile zusammen(,) ehe ich mich von ihnen verabschiede, um den Bus nach Munaychay noch rechtzeitig zu erwischen. Den Chicha bezahlen sie für mich.

Drei Worte auf Quechua:

′′ bedeutet ; ′′ bedeutet ; ′′ bedeutet


La Gran Fiesta en Munaychay · 11.10.2014

Stunden, Tage, Wochen haben wir für diesen großen Moment geübt. Dafür, dass wir achtzehn Freiwillige in unseren bunten peruanischen Trachten auf der „Gran Fiesta en Munaychay“ tanzen können und allen zeigen, was in uns Gringos steckt.

Es steht wieder einmal ein großes Fest in Munaychay an und es wird gekocht, gelacht und getanzt. Wir feiern die Ankunft des Vorstandes und wir feiern Corazones. Und zu einer guten Feier gehören in Peru natürlich viele, möglichst bunte Tänze. Auch uns Voluntarios hat dieses Mal der Ehrgeiz gepackt und so haben wir uns dazu entschieden, den Tinku „Celia“ in traditionellen peruanischen Trachten als Gruppe aufzuführen. Nach einer eher kurzen Zeit des Ãœbens sind wir schließlich vorbereitet - die Schritte sitzen, die Stimmung ist gut und wir haben die Trachten übergezogen. Die Trachten lassen uns ein wenig wie Hippie-Indianer aussehen, aber das stört uns nicht. Schließlich geht es um etwas anderes: Es geht darum(,) zu zeigen, was in uns Gringos steckt und dass auch wir verdammt gut tanzen können. Die Fiesta beginnt, unser Lied ertönt und die Hippies bilden eine perfekte Tanzeinheit – zumindest fast, denn ich habe den Einsatz verpasst und tanze etwas deutlich aus der Reihe. Doch nach einigen Sekunden habe ich mich gefasst und alles verläuft wieder nach Plan. Auf den Gesichtern des Publikums machen sich die ersten Anzeichen von Erstaunen und Begeisterung deutlich und mit jedem Schritt kann ich meinen Fanclub unter den Kindern und den Tías vergrößern. Noch einige gut gesetzte Schritt, ein Lächeln ins Publikum und die Show ist perfekt: Wir sind die selbstgekürten Meister des „Celia“. Damit ist die Fiesta mehr als gelungen und wir können uns bequem zurücklehnen und den restlichen Nachmittag genießen.

Die Gringos haben sich als begnadete Tänzer behaupten können!

Drei Worte auf Quechua:

′′ bedeutet ; ′′ bedeutet ; ′′ bedeutet


Die Ankunft unseres Vorstandes · 8.10.2014



Diesen Mittwoch ist der Vorstand unseres Projektes in Cusco angekommen. Schon einige Tage davor liefen in Munaychay die Vorbereitungen für die Ankunft an, da es wie jedes Jahr wichtige Dinge bezüglich des Projektes zu besprechen gibt. Die Administration wurde mit gemalten Bildern der Kinder verschönert, das langgeplante Kreativzentrum fertiggestellt und auch wir haben die „Casa de los Voluntarios“ von Grund auf gesäubert. Der Vorstand konnte also kommen.

Am Tag der Ankunft fuhren Marlon, Marlene (unsere Freiwilligenkoordinatorin) und ich zusammen mit einer erkorenen Delegation von Munaychay-Kindern los nach Cusco. Dort angekommen, erwartete uns erst einmal eine Überraschung – der gesamte Plaza de Armas war von den Feierlichkeiten des „Dia de los…“ erfüllt. (Dia de la dignidad nacional) Unter den dröhnenden Trommelschlägen und den schrillen Trompeten der Musikanten führte eine Gruppe von Tänzerinnen die riesige Prozession an. Dicht hinter ihnen folgten die als …… verkleideten Tänzer, die in ihren Kostümen fast die gesamte Breite der Straße einzunehmen schienen. Sofort blieben wir stehen um zuzusehen und ich hätte mir am liebsten eine der schweren Masken übergezogen und wäre mitgelaufen. In den Gesichtern der Tänzer und Musikanten erkannte ich einen großen Stolz und auch große Hingabe – manche Trompetenspieler liefen unter dem pausenlosen Spielen schon leicht blau an. Die Straße vibrierte unter den Rythmen der Musik und vor der graubraunen Steinfassade der Kirche „La Compania“ zog der bunte Umzug an uns vorbei. Mit einem letzten Krächzen der Trompeten verschwand er in einer Nebenstraße.



Nach dieser farbenprächtigen Vorstellung fuhren wir schließlich weiter zum Flughafen und kamen an, um Walther, Angelika, Thomas und Hildegard abzuholen. Ein lautes „Mira!“ kündigte wenig später ihre Ankunft an und die vier versanken sogleich im Konfetti-Regen der Kinder.

Damit beginnen nun also die eineinhalb Wochen, in denen der Vorstand die verschiedenen Bereiche des Projektes besucht und wir gemeinsam wichtige Punkte für die Zukunft von „Corazones para Peru“ festlegen. Los geht′s!

Drei Worte auf Quechua:

′′ bedeutet ; ′′ bedeutet ; ′′ bedeutet


Arequipa - „La Ciudad Blanca“ · 22.09.2014

Die Kathedrale von Arequipa

Unsere nächste große Reise führt uns in die „Weiße Stadt" Arequipa. Von der sonnigen Plaza de Armas, alten Klostermauern und dem mächtigen Vulkan „el Misti" bis hin zu einem Abendessen mit dem Brasilianer João ist alles dabei. Los geht es in die „Flor de la Pampa"!

Nach einer langen Busfahrt von Cusco über Juliaca, kommen Marlon und ich gut gelaunt in Arequipa an. Mit einem der vielen kleinen Taxis bahnen wir uns einen Weg durch das Verkehrschaos, bis wir schließlich auf dem sonnigen, von Palmen bewachsenen Plaza de Armas ankommen. Es ist warm, der Himmel ist hellblau und vor uns erheben sich die prächtigen weißen Kolonialkirchen in die Höhe. Arequipa wirkt wie ein Sevilla inmitten der Pampa Perus, das sich vor dem Hintergrund des Vulkans El Misti (Quechua für Senor) und der Berge Chachani (Quechua für Esposa) und Pichu Pichu (Quechua für Monte Monte) hervorhebt.

Die „Weiße Stadt" hat ihren Namen daher, dass die alten Gebäude der Stadt zum Großteil aus dem weißen ′Sillar - Stein′ erbaut sind, der Arequipa ihren Glanz gibt. Außerdem war der Stadtkern während der Kolonialzeit allein den reichen weißen Bürgern vorbehalten. Ab 1870 entwickelte sich die Stadt nach und nach zu einem wichtigen Handels- und Wirtschaftszentrum, was die Stadt durch den neuen Wohlstand aufblühen ließ. So prägen heute unzählige Kirchen und Paläste das Stadtbild.



Nachdem wir uns einen ersten Überblick verschafft haben und die Rucksäcke in unserem Hotel „La Casa Blanca“ in der Avenida Jerusalen abgestellt haben, entscheiden wir uns dazu, den Nachmittag zur Besichtigung des Klosters „Monasterio de Santa Catalina“ zu nutzen. Das Santa Catalina wurde 1579 gegründet und ist bekannt als das schönste Kloster Südamerikas. Auf einer Fläche von 20.000 m² bildet es eine eigene ′Stadt in der Stadt′ und ist von der Außenwelt abgeschirmt. Wir laufen durch die schmalen Gassen, die in einem tiefen Rot und Azurblau gehalten sind und kommen an den wunderschön bemalten Innenhöfen vorbei. Die Ruhe des Klosters tut uns nach der letzten anstrengenden Woche gut und es ist interessant zu sehen, welchen Einfluss die spanische Missionierung an diesem Ort genommen hat.

Die wunderschönen Innenhöfe im Kloster Santa Catalina





Mit Marlon vor dem El Misti


Wieder im Hotel angekommen, kriegen wir langsam Hunger und fragen die Besitzerin Amparo, eine Arequipeña, nach einem guten Restaurant in der Nähe. Sie empfiehlt uns das „Zig Zag“, ein schickes und angesagtes Lokal, dass für sein „Fleisch am Stein“ bekannt ist - was es damit auf sich hat, werden wir noch herausfinden. Als wir das „Zig Zag“ betreten, führt man uns auf Deutsch zu unserem Tisch und bringt uns die Weinkarte. Auf perfektem Spanisch bestelle ich mir eine Tomatensuppe als Vorspeise und eine „Trilogia de Carne“ von Alpaka-, Rind- und Schweine-Filet. Das Fleisch wird auf einem heißen Vulkanstein, deshalb „Fleisch am Stein“, mit warmen Kartoffeln und einer Kräutersauce serviert, dazu trinken wir einen Chilenischen Rotwein. Leben wie Gott in Peru - so könnte man vielleicht annähernd unseren Genuss beschreiben. Der Abend könnte nicht besser sein und der nächste vielversprechende Tag liegt schon wieder vor uns.

Leben wie Gott in Peru

Am nächsten Morgen frühstücken wir in einer Crepe - Bar, dem Crepisimo. Ich bestelle mir einen Crepe mit Banane und Schokolade und dazu einen Erdbeer-Milkshake. Der Start in den Tag ist also gelungen und wir planen für heute eine Bustour rund um die Stadt zu unternehmen. Um zwei uhr mittags steigen wir also in den großen Bus am Plaza de Armas und die Tour beginnt. Als erstes kommen wir am „Plaza de Yanahuara" vorbei, von dem aus man durch die Steinbögen einen fantastischen Blick auf Arequipa und den El Misti hat.

Anschließend geht es weiter zu einer Alpaka-Farm, wo wir unter all diesen felligen Freunden auch ein Vikuña - Fohlen entdecken. Die Vikuñas sind sehr seltene Tiere, die heutzutage wieder in den Hochanden Perus verbreitet sind. Ihr Fell ist noch weicher und wertvoller als das der Alpakas und ist als „Oro de los Andes" („Gold der Anden“) bekannt - ein Fell bringt circa 2000 Dollar.

El oro de los Andes

Zum Schluss kommen wir noch an der prunkvollen Villa des Stadtgründers von Arequipa, Diego de Almagro, vorbei und besichtigen die Terrassen von Paucarpata aus der Inka-Zeit. Die Terrassen treten aber schnell in den Hintergrund, denn in der Nähe entdecke ich zwei Indígena - Frauen, die zwei Falken auf ihren Schultern sitzen haben. Die Tiere mustern uns mit ihren wachen Augen und breiten ihre Flügel aus. Auf Spanisch heißen diese prächtigen Tiere „Halcones" und sie können wie Pfeile durch die Luft jagen. Ich bin sofort von ihnen beeindruckt und beobachte sie die ganze Zeit über - und als ich sie dann selbst für einen Moment auf den Schultern sitzen habe, bin ich unglaublich stolz. Bevor wir wieder zurück zur Plaza fahren, frage ich die beiden Frauen nach den Namen der Falken. Sie heißen Pedrocito und Lucio.





Auf der Rückfahrt haben wir noch einmal den mächtigen El Misti vor Augen und wir kommen mit einem Brasilianer ins Gespräch, der vor uns sitzt. Wir unterhalten uns auf Spanisch mit ihm und er erzählt uns, dass er João heißt und ursprünglich aus Montes Claros im Landesteil Minas Gerais kommt. João ist sehr lustig und hat das breiteste Lächeln, das ich bis jetzt gesehen habe. Wir laden ihn auf ein Stück Kuchen in das Cafe „Carpriccio" ein und reden viel über Brasilien und die anstehenden Wahlen. Nach dem Kuchen schaut er plötzlich in die Menü-Karte und kriegt ein Leuchten in den Augen. „Yo voy a invitarse mis amigos!" („Ich werde euch einladen meine Freunde!") sagt er und wählt drei teure peruanische Gerichte aus. Wir können es im ersten Moment nicht glauben, aber João lässt sich nicht davon abbringen uns für den Abend einzuladen. Und so ist auch der zweite Abend fantastisch und es bleibt uns nur, unserem brasilianischen Freund danke zu sagen.



Arequipa hat uns sehr gut gefallen und die zwei Tage haben uns unglaublich gut getan.


Margots Papa · 18.09.2014

Viele Kinder in Munaychay haben Elternteile, die in der Umgebung von Urubamba leben, sich aber nicht um sie kümmern können. Meist sind sie zu arm, um ihre Kinder versorgen zu können oder haben gesundheitliche oder psychische Probleme.

So geht es auch dem Vater von Margot und Ananie, dessen Frau an Krebs gestorben ist und der ein Alkoholproblem hat. Er kann nur selten seine Kinder sehen, die jetzt weit entfernt von ihm leben. Heute ist einer dieser seltenen Tage, an denen er nach Munaychay kommen kann, um seine beiden Töchter wiederzusehen. Wir sitzen alle gemeinsam mit den anderen Kindern und Tia Alicia beim Abendessen und Margot und Ananie schauen neugierig zu ihrem Papa herüber. Plötzlich steht Margot auf, geht auf ihn zu und nimmt sein trauriges, tief gefurchtes Gesicht in ihre kleinen Hände. Sie lächelt.
Und in diesem Moment wird mir klar: Trotz aller Probleme und aller Traurigkeit ist er immer noch ihr Vater zu dem sie aufblickt und den sie immer gern haben wird. Was auch passiert, der Wunsch der beiden, glücklich zu sein, kann ihnen nicht genommen werden.

Diese Erlebnis werde ich nicht vergessen.


Die Nacht der Erzähler · 17.09.2014



„Heute Abend findet im ′Arte Sano′ die Nacht der Erzähler statt. Schauspieler aus Argentinien, Brasilien und Peru werden erwartet und tragen Geschichten aus ihren Heimatländern vor - Geschichten der Kultur Südamerikas.”

So steht es auf dem Flyer der ′Noche de los Narraciones′ geschrieben, der mir zufällig in die Hände gefallen ist. Ein bisschen Kultur kann eigentlich nicht schaden, denke ich mir, und außerdem habe ich Lust, den Abend einmal unter echten ′Urubambianern′ zu verbringen. Nachdem ich Tania und Marlon überzeugt habe mitzukommen, laufen wir nach der ′Reunion′ der Voluntarios in Richtung des Kulturcafes ′Arte Sano′ los, bis wir schließlich im vom matten Scheinwerferlicht beleuchteten Cafe sitzen und den Geschichten der Erzähler zuhören.

Um uns herum sitzen viele Familien mit kleinen Kindern, die den Schauspielern gebannt lauschen und sich über ihre lustigen Geschichten freuen. Besonders witzige Geschichten erzählt ein etwas kräftigerer Peruaner, so etwa die ′Rettung der Schnarchmonster′, die ihm mit Abstand die meisten Fans einbringt. Anschließend stellt die Argentinierin, eine echte Porteña, ihren Mate-Tee bei Seite und beginnt in ihrem tiefen, rauen und vor allem lauten Spanisch die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen - und vom ersten Augenblick an sehnt man sich nach Buenos Aires und dem Land der Gauchos und des Tangos.



In der ′Noche de los Narraciones′ schwingt das schnelle und melodische Spanisch Südamerikas mit und wir reisen gedanklich vom Altiplano über das Amazonas-Gebiet bis hinunter nach Patagonien. Die Vorstellung neigt sich langsam ihrem Ende zu und wir machen uns nach diesem entspannten Abend voller neuer Eindrücke wieder auf den Heimweg. Während wir durch die nächtlichen Straßen von urubamba streifen, treffen wir plötzlich Alejandro, einen peruanischen Mitarbeiter aus unserem Projekt, der inzwischen zu einem guten Freund von uns geworden ist. Gemeinsam lassen wir den Abend in der Bar „La Cabina" ausklingen und reden viel über Peru, die Menschen, die hier leben, und ihre Kultur.


′Donde el Condor vive′ · 16.09.2014



Andrea ist sechs Jahre alt und besucht die Vorschule in Chichubamba. Sie liebt es in der Pause mit den anderen Kindern zu spielen und mag besonders gerne das Malen in der Klasse. Jeden Dienstagvormittag betreue ich Alexandra und die anderen Kinder der Vorschulklasse. Zusammen mit der Profesora erkläre ich den Kindern verschiedene Dinge, die Kinder schreiben oder malen viel und es werden Geschichten erzählt. Anschließend haben die Kinder immer eine große Pause, in der sie spielen können und sich austoben.

Als ich Andrea frage, wo genau sie in Chichubamba wohnt, zeigt sie auf den gegenüberliegenden Berg und sagt: „Mas arriba! Donde el Condor vive! El Condor es mi amigo!" („Hoch oben! Dort, wo der Kondor lebt! Der Kondor ist mein Freund!") und strahlt vor Freude. Am Ende bietet sie mir noch stolz ihre ′leche con chocolate′ an, die ihre Mutter ihr mit in die Schule gegeben hat und wir spielen noch den Rest der Pause zusammen mit den anderen Kindern. Die Arbeit in Chichubamba macht viel Spaß und man lernt die Kinder von Tag zu Tag besser kennen. Und das Beste: Die Kinder haben alle eine kleine Geschichte zu erzählen - man muss ihnen nur zuhören.


Der Kondor - Andreas Freund

Abschließend noch ein kleiner Steckbrief zu Andrea:

Name: Andrea Sharay
Liebste Freizeitbeschäftigung: Mit ihrer Mama kochen oder mit ihren beiden Brüdern spielen
Lieblingsfarben: Rosa und Braun
Lieblingstier: Giraffe
Dein schönster Traum: Ein Riese zu sein oder über die Anden fliegen zu können

Die Kinder von Chichubamba

Drei Worte auf Quechua:

′Chacra′ bedeutet Acker, ′Huayco′ bedeutet Erdrutsch, ′Apu′ bedeutet Berggott


Englischunterricht und Mate-Tee · 15.09.2014


Ich bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Mate-Tee trinken.

Eine meiner Aufgaben hier in Peru ist unter anderem der Englischunterricht in der Grundschule von Chicón. Zusammen mit Charlotte unterrichte ich dreimal die Woche die Klassen der Segundo, der Tercero, der Quarto, der Quinto und der Sexto. Die meisten Schüler der ′Ikarus Escuela′ kommen aus dem Chicón-Tal und viele von ihnen kennen Kinder aus Munaychay. Aus diesem Grund kennt uns die gesamte Schule und wir sind bis weit über die Grenzen der Escuela berühmt. Als ′Profesores′ beginnen wir jede Englischstunde vor dem grandiosen Panorama der Berge und bringen den Kindern Vokabeln und einfache Sätze bei. Englisch interessiert die Kinder sehr - auch nach dem Unterricht werden wir häufig gefragt, was dieses oder jenes Wort übersetzt heißt. Wir erklären den Kindern oft, wie wichtig die Sprache ist, denn gerade im ′Heiligen Tal′ wird in den Hotels und in der Tourismusbranche Englisch vorausgesetzt.


Mit einem Lächeln bei der Arbeit



Natürlich sind nicht alle Kinder immer zu hundert Prozent im Unterricht dabei - es ist ja nicht so, dass man es aus eigener Erfahrung nicht kennen würde - aber in solchen Situationen muss man einfach kreativ sein und versuchen die Kinder zu motivieren. Und ganz wichtig: Immer viel Mate-Tee trinken - das beruhigt die Nerven.



Drei Worte auf Quechua:

′Chibolo′ bedeutet kleiner Junge, ′Chibola′ bedeutet kleines Mädchen, ′Marquay′ bedeutet jemanden umarmen


Marcia, Emmerson und Juan Jose aus der Tercero-Klasse


Der Zauber der Anden · 6.-7.9.14

- Von Chinchero über ′Aca Pata′ bis zu den Salineras von Maras



Tag 1:

Dieses Wochenende geht für Marlon und mich ein Traum in Erfüllung: Wir wandern auf der Hochebene von Chinchero und Maras und zelten mit Blick auf das ′Valle Sagrado′ und den Chicon. Wir treffen Campesinos auf ihren Feldern, laufen über die rotbraune Erde des Altiplano und sitzen bei Vollmond am Lagerfeuer.

Wir erleben die große Freiheit Südamerikas.

Samstags morgens brechen Marlon und ich mit gepackten Rucksäcken und unserem Spirituskocher zu unserer ersten großen Trekking-Tour auf. Während wir von Munaychay nach urubamba laufen, regnet es leicht und die Berge sind noch vom Nebel der letzten Nacht verhangen - aber das kann uns nicht die Stimmung nehmen. Als wir in urubamba ankommen, frühstücken wir erst einmal ausgiebig auf dem Mercado. Am Fruchtsaftstand kommen wir mit einer Gruppe von Peruanern ins Gespräch, die sichtlich beeindruckt sind, von der Menge an Essen, die wir verschlingen. Sie fragen uns, wie uns ihr Land gefällt und was uns hier her geführt hat. Wir erzählen von Munaychay und der Offenheit mit der man uns bisher begegnet ist. Schon jetzt sind wir von Peru mehr als begeistert.


Marlon und ich vor ′Jack′s Café′



Schließlich verabschieden wir uns und gehen weiter in Richtung Bus Terminal, von wo aus wir den Colectivo nach Cusco nehmen wollen - denn noch fehlt uns ein Zelt für die Nacht. In Cusco angekommen, kaufen wir uns ein geräumiges Zelt und trinken eine köstliche heiße Schokolade mit Marshmallows im ′Jack′s Café′ an der Avenida.

Dann geht es endlich los: Mit dem Colectivo geht es die gleiche Strecke wieder zurück und wir kommen an mehreren kleinen Siedlungen vorbei, bis wir schließlich kurz hinter Chinchero den einen perfekten Zeltplatz ausmachen. Wir rufen laut ′Baja!′ und steigen mit unseren Rucksäcken am Rande der Straße aus. Ab hier beginnt für uns die große Freiheit. Rund um uns herum breitet sich die riesige Hochebene aus, die nur in der Ferne von den Bergen begrenzt zu sein scheint. Der Himmel ist hellblau und hoch oben kreist ein ′Killincho′, ein Falke. uns sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt - wo es lang geht, liegt allein bei uns. Wir haben den Eindruck, auf einer Höhe mit den Wolken zu sein.



Wir setzen unseren Weg in Richtung der Kante der Hochebene fort - dort liegt unser Ziel: ein kleiner felsiger Hügel, vor dem der Chicon riesenhaft aus dem Nichts emporragt. Wie wir in einem kleinen Quechua-Dorf erfahren, nennen die Einheimischen diesen Ort ′Aca Pata′.

Vor den ′Nebelbergen′





Die Berge sind noch immer in tiefen Nebel gehüllt, als wir den Hügel erreichen. Sie geben der Landschaft etwas Seltenes und ungekanntes und verbreiten eine undurchdringliche Ruhe. Es wird langsam dunkel, wir schlagen unser Zelt auf und zünden ein Lagerfeuer an. Zum Abendessen kochen wir uns Nudeln mit Tomatensauce. Als wir uns schlafen legen, hoffen wir fest darauf, die Berge am nächsten Morgen endlich in ihrer ganzen Schönheit sehen zu können. Wir werden nicht enttäuscht...

Am Lagerfeuer



Tag 2

Der Blick aus dem Zelt am nächsten Morgen - atemberaubend

Als ich morgens um halb fünf, bei Sonnenaufgang, den Kopf aus dem Zelt strecke, kann ich im ersten Moment überhaupt nicht glauben, was ich sehe. Der Nebel ist vollkommen verschwunden und an seine Stelle sind die schneebedeckten Spitzen des Chicón, des Pumahuanca und des Veronica getreten. Das warme Licht der Sonne taucht die Wiesen und Felder in ein sattes Gold und der Himmel ist tief rosa. Die Schönheit der Landschaft ist atemberaubend und wir haben das Gefühl, den Zauber der Anden nun zu verstehen.

Der Zauber der Anden

Vollkommen aus dem Häuschen

Nach dem wir vollkommen überfordert vor Glück einige Zeit auf der Wiese umher getaumelt sind, legen wir uns noch einmal schlafen und frühstücken schließlich vor dem grandiosen Panorama. Es gibt Mango und Platanos. Voller Tatendrang und immer noch überglücklich packen wir anschließend wieder unsere Rucksäcke und das Zelt zusammen und setzen unsere Tour fort in Richtung Maras.

Die Hochebene von Maras

Auf Tour

Marlon und ich wandern über die weiten Felder der Ebene und können von einem Hügel aus in der Ferne die Salineras ausmachen. Auf unserem Weg liegt uns das ′Valle Sagrado′ zu Füßen und nach ungefähr fünf Stunden erreichen wir den Ortseingang von Maras. Wir entscheiden uns dazu, die letzten Kilometer zu den Salineras mit dem Taxi zurückzulegen und blicken schließlich auf die riesigen Salzterrassen hinab. Wie ein großes Wabennest sind die Salzbecken in den Hang hineingebaut und die Sonne spiegelt sich in ihnen wieder.

Die Salineras



Die Salineras, hunderte wenn nicht sogar tausende Salzbecken am Rande von Maras, werden schon seit tausend Jahren (zur Inka-Zeit) zur Salzgewinnung genutzt. Dabei wird das salzhaltige Wasser, das einer Bergquelle namens ′Qoripujio′ entspringt, zur Verdunstung in die vielen Becken geleitet. Das Salz bleibt zurück und so können alle acht Tage um die achtzig bis hundert Kilo gewonnen werden.

Unser selbstgeschöpftes Salz



Die Salineras sollen der abschließende Höhepunkt unserer Wanderung werden. Wir steigen die Salzterrassen hinab und lassen den Tag ausklingen. Schmale Wege führen uns schließlich nach Tarabamba und wir gelangen wieder nach urubamba, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Die zurückliegenden Tage waren einfach grandios und die Tour wird uns noch lange in Erinnerung bleiben!



Drei Sätze auf Quechua:

′¿Iman sutiki?′ bedeutet ′Wie heißt du?′; ′Noqa sutimi′ bedeutet ′Ich heiße′; ′¿Imata munanqui?′ bedeutet ′Was willst du?′


Von Parasiten, Ratten und anderen unliebsamen Freunden · 6.9.2014



Wir haben Parasiten.

Zumindest einige von uns.

Und wir haben Ratten.

Auch nach dem ersten Monat in Südamerika hält immer noch jeder einzelne Tag die eine oder andere Überraschung für uns bereit – ob positiv oder negativ. Vom Salatblatt bis zum Meerschweinchen kann man sich hier in Peru so gut wie überall Parasiten einfangen – kleine Freunde, die vorzugsweise ′Gringos′ zu ihren Wirtskörpern erklären und fortan in ihnen ihr Unwesen treiben. Einige Voluntarios schwören jedoch darauf, mit der richtigen Einstellung ′immun′ zu sein. Ob es nun an der falschen Einstellung oder doch am ungewaschenen Salatblatt lag, drei Voluntarios haben nun Parasiten. Sie verbringen deshalb den Großteil ihrer Zeit entweder auf der Toilette oder mit Bauchschmerzen im Bett. Während Girasoles also langsam zu Enklave für Kranke wird, haben wir in Munaychay etwas andere Sorgen. Nachts nagt sich etwas durch unser Dach und raubt uns unseren Schlaf. Es ist fellig, besitzt einen langen Schwanz, den es gerne über den Boden schleift und ernährt sich von unserem Brot. Es nennt sich Ratte. Unser Haus ist inzwischen vollgestellt mit Fallen, aber ein echtes Gefühl von Sicherheit kann uns das auch nicht geben. Schließlich hören wir eines Nachts ein lautes ′Klack!′ und wir haben Gewissheit – die (erste?) Ratte ist erledigt. In Zukunft können wir wieder beruhigt einschlafen.

Wären da nicht die Vogelspinnen, die im Frühling kommen sollen...

Das Ende der Ratte.



Drei Worte auf Quechua:
′Chicucha′ bedeutet Junge; ′Chicacha′ bedeutet Mädchen; ′Simi′ bedeutet Mund


Die "Catarata" - Waschanlage · 5.9.2014



Jede Woche wird der Munaychay-Bus von den Kindern der verschiedenen Häuser gewaschen und geputzt. Diese Woche hat mein Haus die ehrenvolle Aufgabe und so packen wir Wascheimer, Mobs und Besen ein und machen uns auf den Weg zum…. Wasserfall! – dem ′Catarata′. Einmal dort angekommen, artet die zunächst friedliche Waschaktion schnell in eine gnadenlose Wasserschlacht aus (Tia Alicia ist unter anderem mit beteiligt). Der Ausflug macht viel Spaß und ich kann mit den Kindern heute endlich auch außerhalb der unbeliebten Hausaufgabenbetreuung Zeit verbringen. Nach dem eiskalten (unfreiwilligen) Bad im ′Catarata′, ruft erst einmal die heiße Dusche und der Tag ist perfekt.

Drei Worte auf Quechua:
′Nari′ bedeutet Ja; ′Manan′ bedeutet Nein; ′Uya′ bedeutet Gesicht

Hayder und ich nach der bestrittenen Wasserschlacht


Trucha - Essen in Munaychay · 28.08.2014

Gunter und Gerline!

Nach Wochen des immer gleichen Nudeln- und Gemüse-Essens, haben wir nun für unser Freiwilligenhaus etwas ganz Besonderes vorbereitet. Es gibt ′Trucha′ - peruanische Forellen, die aus der Fischzucht des Projektes in Huilloc stammen. Die Fischzucht in Huilloc wurde von zwei Freiwilligen auf ungefähr 3900 Metern Höhe aufgebaut und beherbergt seither die wohl glücklichsten Forellen der Anden. Die ′Truchas′ liegen nach einer langen Anreise in unserer Küche bereit und die Pfannen bruzzeln verheißungsvoll. Das einzige Problem ist, dass wir keine Ahnung haben, wie wir die Dinger zubereiten sollen. Doch nicht verzagen! - Tias fragen! Und so ziehen wir Tia Alicia und Tia Sonia zu Rate, die sofort mit zwei Gehilfinnen anrücken und sich an die Zubereitung machen. Der Raum ist erfüllt vom Dampfen der Pfannen, dem Geruch von Knoblauch und dem Spanisch der Tias - uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Der Tisch wird gedeckt und das Essen ist fertig! Der Geschmack ist einfach umwerfend - ein richtiges Festessen eben. Wie immer verbringen wir einen sehr schönen Abend in Munaychay, den wir später noch zusammen am Kamin ausklingen lassen. Für die kommenden Nudelwochen sind wir erst einmal gestärkt!

Drei Worte auf Quechua:

′Chaska′ bedeutet Stern; ′Killa′ bedeutet Mond; ′Tuta′ bedeutet Nacht


Ausflug nach Cusco · 23.08.2014

Auf der Plaza de Armas



Am Samstag brachen wir auf zu einem Stadtausflug nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reiches. Nach einer extrem abenteuerlichen Fahrt mit dem „Colectivo“ (von rechts überholen bis stark in der Kurve beschleunigen) und einem wieder einmal atemberaubenden Ausblick auf das „Valle Sagrado“, kamen wir schließlich morgens an. Wir durchquerten die ärmlichen „Barrios“ der Stadt, bis wir schließlich zum Zentrum Cuscos, dem „Plaza de Armas“ gelangten. In der Mitte des sternförmig angelegten „Huacaypata“, so wie der Platz zu Inkazeiten genannt wurde, befindet sich ein großer Springbrunnen auf dem die goldene Statue des Inka-Herrschers Atahualpa empor ragt.



Nachdem wir eine Pause eingelegt hatten und die ersten bereits ihre Kameras gezückt hatten, wurden wir plötzlich von einem riesigen Golden Retriever überrascht, der an der Leine einer Peruanerin auf uns zugelaufen kam. Sein Name: Ikarus (wie sich später herausstellen sollte, ein echter Heidelberger). Bei der Peruanerin handelte es sich um eine Bekannte von Jakob, einem anderen Voluntario, die lange Zeit in Heidelberg gelebt hatte. Natürlich waren wir alle überrascht und freuten uns sehr, eine Einheimische kennen zu lernen, die noch dazu Deutsch sprach. Sofort nahm sie uns mit in ihren Laden in einer Seitenstraße des Plaza. Wir verabredeten uns zum Mittagessen im „Granja Heidi“, einem deutschen Restaurant, und begannen in Begleitung von Ikarus unsere Stadtbesichtigung.

Spaziergang mit Ikarus durch Cusco



Als erstes liefen wir durch die „Calle Hatunrumiyoc“, die für ihre Inka-Mauer mit einem zwölfeckigen Stein berühmt ist. Währenddessen wurden wir immer wieder von traditionell gekleideten Einheimischen gefragt, ob wir gegen Geld ein Foto mit ihnen machen wollten und es lief laute Panflötenmusik im Hintergrund. Jedoch kann diese sehr touristische Seite Cusco nicht seine Schönheit nehmen. Man läuft durch die steilen, engen Gassen, vorbei an den geschnitzten Balkonen vieler Häuser und den Arkaden und trinkt eine heiße Schokolade oder einen Kaffee in einer Chocolateria. Ikarus nahm schließlich, unter dem Staunen einer peruanischen Schulklasse, noch ein Bad in einem Brunnen und war damit auch glücklich. Nach der ersten kleinen Rundtour in Cusco trafen wir uns schließlich im Restaurant wieder und verbrachten einen entspannten Nachmittag zusammen.

Anschließend nahmen wir den „Colectivo“ zurück nach Urubamba und kamen unter anderem an der Stadt Maras auf der von Chicon aus gegenüberliegenden Hochebene vorbei. In Zukunft werden wir Cusco noch häufiger erkunden.

Drei Worte auf Quechua:
′Warmi′ bedeutet Frau; ′Qari′ bedeutet Mann; ′Wasi′ bedeutet Haus

Los Voluntarios


Erste Bergbesteigung – Der Gletscher ruft · 18.08.2014

Der Chicon-Gletscher

Es ist 9 Uhr abends und stockdunkel im Chicon-Tal. Unser alter VW-Bus quält sich laut dröhnend die steinige Straße hoch und bringt uns dem Fuße des Chicon-Berges immer näher. Es ist der Abend unseres vierten Tages in Urubamba und schon jetzt hat uns das Bergfieber gepackt. Zusammen mit Tilman, einem ehemaligen Freiwilligen, und Bea, die mit mir in Munaychay wohnt, wollen wir gemeinsam den Gletscher des Chicons erreichen. Mit gepackten Rucksäcken, heißem Coca-Tee und unseren Stirnlampen brechen wir schließlich auf und beginnen unsere Tour, bei der wir voraussichtlich fast fünf Stunden unterwegs sein werden.

Zu Beginn überqueren wir einen Fluss und kommen durch ein Waldstück, bis wir uns schließlich auf dem Bergpfad befinden, der uns zum Gletscher bringen soll. Schnell erreichen wir die ersten Stationen unserer Wanderung, aber zugleich macht sich auch die extreme Höhe bemerkbar. Wir befinden uns auf 4300 Höhenmetern und die Kopfschmerzen nehmen langsam zu. Tilman gibt mir einige Coca-Blätter zum Kauen, die gegen die Höhe helfen sollen, und wir setzen unseren Weg fort. Im Schein des Mondes geht es für uns weiter über Bergketten und Steilhänge. Über allem thront der Chicon, der ganz von Schnee bedeckt ist.

Leider machen sich bei mir die Symptome der Höhenkrankheit immer stärker bemerkbar – die Kopfschmerzen sind inzwischen sehr unangenehm, mir ist übel und ich fühle mich kraftlos. Hinzu kommt, dass es mitten in der Nacht ist und ich nur noch ans Schlafen denken kann. Schließlich wird mir klar, dass ich den Gletscher so nicht mehr erreichen werde. Kurz vor einer Gletscherlagune machen wir schließlich halt und ich beschließe umzukehren. Tilman und Bea erklären sich sofort dazu bereit, mich nach unten zu begleiten. Vollkommen übermüdet und entkräftet kommen wir unten an. Im ersten Moment bin ich natürlich ziemlich enttäuscht, dass wir das Ziel nicht erreichen konnten. Im Grunde war es jedoch abzusehen, dass mir die Höhe nach so kurzer Zeit noch Probleme bereiten würde. Immerhin, wir haben es bis kurz vor die Lagune geschafft und ich weiß schon jetzt, dass es bis zu meinem zweiten Versuch nicht lange dauern wird. Der Berg lässt einen so schnell nicht mehr los. Fortsetzung folgt!

Tilman und ich sichtlich erschöpft von der Wanderung



Drei Worte auf Quechua:

′Runa′ bedeutet Person; ′Wayra′ bedeutet Wind; ′Mayu′ bedeutet Fluss


Die Situation der andinen Bevölkerung in Urubamba · 15.08.2014



Hinter dem Projekt "Corazones para Peru" steht hauptsächlich das Ziel, die Situation der andinen Landbevölkerung zu verbessern. Um unsere Arbeit in der Region Urubamba besser verstehen zu können, ist es wichtig sich mit den Lebensverhältnissen der Menschen dort zu befassen.

Die Stadt Urubamba liegt in den Hochanden Perus und ist somit hauptsächlich von indigenen "Campesinos" (Bauern) bevölkert. Zu den IndÍgenas zählt man die ursprünglichen Einwohner Südamerikas, das heißt in Peru vor allem die "Nachfahren" der Inka wie die "Quechua" oder die "Aymara". Die Menschen leben hauptsächlich vom Ackerbau und der Viehzucht und sind in sogenannten "comunidades indÍgenas" organisiert. Das bedeutet, dass sie in Dorfgemeinschaften leben und ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse gemeinsam auf dem Markt verkaufen. Dabei steht der Zusammenhalt der "Comunidad" und der Familien an erster Stelle, da die Bewirtschaftung der Felder etc. sehr aufwendig ist und man sich gegenseitig unterstützt (beispielsweise bei Ernteausfällen).

In den meisten Dörfern, wie beispielsweise dem benachbarten Chicon, erinnert noch vieles an die Zeit der Inka. Viele Bewohner leben noch fast wie vor fünfhundert Jahren in strohgedeckten Lehmziegel-Hütten und sind traditionell gekleidet. Die alten Traditionen und Riten spielen auch heute noch eine große Rolle: So vor allem die Verehrung "Pachamamas", der Mutter Erde. Ob eine Ernte gut ausfällt und es der Familie gut geht, hängt im Glauben der indigenen Bevölkerung allein von der Gesinnung der Erdgöttin ab. Vor der Bestellung eines neuen Feldes ziehen die Bauern häufig mit Fackeln über das Land und verstreuen Coca-Blätter oder vergraben Lama-Föten als Opfergaben. Diese Kulte geben den Indígenas ihre ursprüngliche Identität.

Obwohl die IndÍgenas rund fünfundvierzig Prozent der Gesamtbevölkerung Peru"s ausmachen, sind sie von ihrer Lebenssituation her, stark benachteiligt. Die "Campesinos" sind vollkommen von der Landwirtschaft abhängig, da sie ihre Familien nur auf diese Weise ernähren können und nur begrenzt Zugang zu Bildungseinrichtungen haben. Das Gleiche gilt auch für die medizinische Versorgung der Menschen.

Vor allem jungen Menschen bieten sich daher abseits der Großstädte kaum Perspektiven, was zu einer massiven Landflucht führt. In den Großstädten wie Lima, Trujillo und Arequipa erwartet die Menschen aber keine wesentlich bessere Zukunft. In den sogenannten "Pueblos Jóvenes" ("Junge Orte"), die nichts anderes als Slums sind, leben sie unter extrem ärmlichen Verhältnissen und finden meist keine feste Arbeit. Einer der Ziele des Projektes ist es daher auch, die Landflucht der Menschen einzudämmen und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Dies geschieht beispielsweise durch die Arbeit der "Banco Porti", die Mikrokredite an die Menschen vergibt und mit ihnen Geschäftsideen bespricht.

In der Region Urubamba leben vor allem IndÍgenas der Volksgruppe der Quechua. Sie sprechen die weitestgehend ursprüngliche Sprache der Inka. Die Kinder in Munaychay können fast alle Quechua - so auch Anani, Margot und Veronica. Als ich mit ihnen gemeinsam beim Abendessen sitze, frage ich sie danach und sie fangen sofort an, mir erste Wörter beizubringen:

"Sonquo" bedeutet Herz ; "Turoy" bedeutet Freund ;"Nina" bedeutet Feuer

Natürlich hat das "Quechua" nichts mit dem sonst gesprochenen Spanisch gemeinsam. Trotzdem spricht fast die Hälfte der Bevölkerung Peru"s diese Sprache. Aus diesem Grund werde ich in meinen zukünftigen Berichten immer einige Vokabeln "Quechua" für euch bereithalten! In diesem Sinne: Pakarincama!


Munaychay = Muy Bonito - Das Kinderdorf im "Valle Sagrado" · 14.08.2014



Nach unserer Ankunft und der ersten Nacht in einem Hostel in Urubamba, geht es für uns am nächsten Morgen endlich hoch in die Berge des "Valle Sagrado" - des heiligen Tals der Inka. Dort liegt das Kinderdorf Munaychay, das zu einem neuen Zuhause für siebzig Kinder geworden ist. Die Kinder, die hier wohnen, kommen alle aus schwierigen Familienverhältnissen und einige sind Waisen. Viele haben in ihren Familien Gewalt und Angst erlebt. In Munaychay soll den Kindern eine neue "Familie" gegeben werden, in denen sie Geborgenheit und Zuneigung erfahren. In Gruppen von zehn bis elf Kindern wohnen sie zusammen mit einer "Tia" (Tante) in Häusern. Das Dorf besteht aus acht Häusern und einem großen Gemeinschaftshaus. Ich bin für Haus Zwei zuständig.

Als wir in Munaychay ankommen, werden wir von allen Kindern freudig begrüßt und sofort zum Mittagessen mit in die Häuser genommen. Alle sind sehr neugierig und wir sind die Attraktion des Tages. Wir freuen uns natürlich genauso, hier zu sein und wir haben zum ersten Mal die Möglichkeit die Kinder, die wir ein Jahr begleiten werden, kennen zu lernen. Die Mädchen Anani, Margot und Veronica sind die ersten, die mich an der Hand nehmen und mir Munaychay zeigen. Sofort bekomme ich einen Spitznamen: "Pato Lukas" (übersetzt: Die Ente Lukas) - ich finde dieser Name wird mir gerecht. Man merkt den Kindern sofort an, dass es ihnen sehr wichtig ist, dass wir da sind und uns Zeit für sie nehmen. Fast schon sind sie wie kleine Geschwister.

Ich habe mir Munaychay nur halb so gut vorgestellt. Keine Frage - es ist das Herzstück des Projektes - aber was hier geschaffen wurde, ist einzigartig. Zu sehen, wie die Kinder glücklich sind, trotz dem was sie in ihrem Alter bereits durchmachen mussten, macht mich froh und bringt auch einen gewissen Hoffnungsgedanken in die oft ausweglose Situation vieler Menschen in Peru.

Marieli und Margot in Munaychay


Urubamba · 09.08.2014

Blick vom Dach der Oficina auf den Markt

Was ist Urubamba? Was im ersten Moment nach einem mystischen Urwalddorf fernab der Zivilisation klingt, ist in Wirklichkeit eine kleine Bergstadt inmitten der peruanischen Anden auf fast 3000 Metern Höhe. 1998 kam der Gründer der Organisation "Corazones para Peru" auf einer seiner Reisen durch dieses Dorf und entschied sich dazu, ein Kinderdorf für Waisen und notleidende Kinder in der Region zu gründen. Was mit dem Kinderheim "Munaychay" begann, weitete sich schnell auch auf weitere Projekte aus, sodass "Corazones" heute ebenfalls örtliche Kindergärten, Schulen und ein Krebszentrum in Cusco unterstützt. In Urubamba liegt also der Ausgangspunkt unserer Arbeit, von wo aus wir auch noch in den benachbarten Orten Chicon, Ccotohinchu, Pacha und Chichubamba aktiv sind.

Läuft man durch die Straßen Urubambas, so bietet sich im ersten Moment eine staubige und dreckige Stadt dar. Dieser Eindruck ändert sich aber sofort dadurch, dass ein buntes Moto-Taxi laut hupend um die Ecke biegt und den Blick frei gibt auf den noch bunteren Straßenmarkt. Hier schlägt das Herz dieser Stadt und es gibt wohl nichts, was man auf diesem Markt nicht finden kann. Am Morgen nach unserer Ankunft betreten wir diese "Welt der Wunder" und bestellen uns an einem der Markstände ein "pan con palta" (Brot mit Avocado) und einen "jugo de papaya con naranja" (Papaya-Orangen Saft). Natürlich fallen wir zwischen den Peruanern sofort als "Gringos" auf und man begegnet uns mit viel Neugierde. Aber uns stört das nicht, schließlich haben wir das Gefühl, bereits den ersten Kulturschock durch unser Avocado-Brot überwunden zu haben. Anschließend gehen wir weiter in die "Oficina" des Projektes und besprechen unsere Arbeitsgebiete. Meine Arbeitsbereiche für das erste halbe Jahr sind:

  • Die Betreuung der Kinder aus Haus 2 im Kinderheim "Munaychay"

  • Der Englisch- und Sportunterricht in den Schulen in Chicon und Ccotohinchu

  • Die Betreuung der Patenpost und die "Banco Porti" (eine Mikrokreditbank)


Am meisten freue ich mich auf die Arbeit in Munaychay, da ich das Gefühl habe, dass ich dort am meisten bewegen kann.



Der Weg hoch nach Munaychay



Jakob, Marlon und ich auf dem "Kreuz"


Das Abenteuer beginnt · 08.08.2014



Alles beginnt mit meiner Reise von Frankfurt nach Cusco. Zusammen mit siebzehn weiteren Freiwilligen werde ich den insgesamt fast dreißigstündigen Flug über Santo Domingo, Panama City und Lima antreten. Meine Kolleginnen und Kollegen sind ebenfalls alle aus der näheren Umgebung Frankfurts und wir verstehen uns bereits vor der Reise sehr gut. Was uns zusammenbringt, ist der Wunsch, in der kleinen Stadt Urubamba etwas zu bewegen und die Lebenssituation der dortigen andinen Bevölkerung, nach unseren Möglichkeiten zu verbessern. Als wir am Flughafen in Frankfurt eintreffen, steht uns Allen die Vorfreude und Motivation ins Gesicht geschrieben. Vor uns liegt etwas Neues und Unbekanntes, das wir mit großer Spannung erwarten. Nachdem wir uns schweren Herzens von unseren Familien verabschiedet haben, geht es schließlich los. Der Flieger hebt ab in Richtung Dominikanische Republik und Deutschland rückt langsam in weite Ferne.

Nachdem wir die ersten Stationen hinter uns gelassen haben und eine gefühlte Ewigkeit an südamerikanischen Flughäfen verbracht haben, geht es für uns schließlich vollkommen übermüdet in Richtung Cusco. Die starken Luftströmungen über den Anden lassen unser Flugzeug von einer Turbulenz in die nächste tanzen, doch unsere Peruanischen Nachbarn scheint das nicht zu stören. Seelenruhig trinken sie ihren Coca-Tee und betrachten die Berge, die sich unter uns zu einer endlosen Kette aneinander reihen. Dann kommen wir nach unserer Flugzeug-Odyssee endlich an. Schon von weitem können wir die ehemaligen Freiwilligen ausmachen, die uns bereits erwarten und uns herzlich begrüßen. Schnell werden unsere Koffer auf das Dach des Projektbusses verladen und unserem Ziel Urubamba steht nichts mehr im Wege.

Der Blick auf den Markt in Urubamba